Pharmazie und Politik – Wechselwirkungen

Programm des Vereins demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VDPP) vom 21. Juni 2009.

5. Frieden und Gesundheit EinleitungInhaltsübersicht

II. Pharmazie und Gesellschaft


6. Bioethik

 

Die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen hat mit der Entwicklung der Bio- und Gentechnologie eine neue Dimension erreicht. Der Aneignung von materiellen Gütern folgt nun die Privatisierung der genetischen Vielfalt der Natur durch die Agrar- und Pharmaindustrie. Wir verurteilen Biopiraterie, d. h. die Privatisierung und Aneignung von Leben durch Patente.

 

Durch massive Lobbyarbeit im europäischen Parlament gelang es der Industrie 1998, die Richtlinie „Rechtlicher Schutz biotechnologischer Erfindungen“ durchzusetzen, die zum ersten Mal eine Patentierung auf Pflanzen, Tiere, menschliche Gene und Teile des menschlichen Körpers legalisiert hat.

 

Wurde mit der Biopatentrichtlinie der Grundstein für die Verwertung von Leben gelegt, so bildete das im Jahre 2003 beendete Humangenomprojekt und das Folgeprojekt ENCODE den Höhepunkt an theoretischen Grundlagen für eine grundlegend veränderte medizinische (Reproduktions-)Diagnostik, Arzneimittelentwicklung, Gentherapie und Regenerationsmedizin.

 

Nach unserer Überzeugung schaffen es genetische Tests nicht, Erkrankungsrisiken zu kontrollieren und zu korrigieren, sondern erzeugen nur neue Unsicherheiten. Wir wehren uns dagegen, dass Gendiagnostik immer mehr als Teil einer präventiven Medizin verstanden wird.

 

Wir protestieren gegen kommerzielle Gentestanbieter, die ohne Information und Beratung das „genetische Risiko“ feststellen. Wir vertreten generell den Arztvorbehalt für genetische Testungen. Eine Regulierung wie auch die Problematisierung des Datenschutzes ist dringend nötig.

 

Der Regierungsentwurf zum Gendiagnostikgesetz unterläuft zudem das Ziel, dass Menschen auf Grund ihrer genetischen Eigenschaften diskriminiert werden, in dem er u. a. Gentests für MigrantInnen vorsieht.

 

Noch hält in Deutschland das restriktive Embryonenschutzgesetz Versuchen zur Aufweichung stand. Anfang 2008 beschloss der Bundestag jedoch eine Erneuerung der umstrittenen Stichtagsregelung. In der vom Europarat 1997 verabschiedeten Bioethik-Konvention wird jedoch die Forschung an einwilligungsunfähigen Menschen erlaubt und das Klonen von Menschen nur teilweise untersagt.

 

Eine adäquate Technologiefolgenabschätzung ist derzeit nicht möglich. Inhalte und Ziele der Gentechnologie werden von wirtschaftlichen Interessen bestimmt, ohne die Öffentlichkeit daran zu beteiligen oder ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen.

Das lehnen wir ab und fordern daher bioethische Mindeststandards:

  • keine Freisetzung gentechnisch manipulierter Organismen, die zur Produktion rekombinanter therapeutischer Proteine geschaffen werden
  • keine Freisetzung von Pharmapflanzen, da pharmazeutische Wirkstoffe unkontrollierbar in Nahrungspflanzen ausgekreuzt werden und damit die Nahrungskette verunreinigen
  • keine Patentierung von (gentechnisch veränderten) Lebewesen
  • restriktiver Datenschutz für das menschliche Genom, insbesondere für die sich ausweitende Biobankforschung
  • staatliche Förderung einer umfassenden Sicherheitsforschung
  • Verbot militärischer Forschung mit gentechnischen Methoden
  • Verbot des Eingriffs in die menschliche Keimbahn
  • Verbot der (Gen-)Forschung an menschlichen Embryonen
  • Verbot des Klonens von Menschen
  • Verbot der fremdnützigen (Gen-)Forschung an einwilligungsunfähigen Menschen

Deshalb unterstützen wir die Arbeit des Gen-ethischen Netzwerkes (GeN).

http://www.vdpp.de

 

 

TERMINANKÜNDIGUNG

 

16. Oktober, Berlin

Regionalgruppentreffen

um 19.30h in Schöneberg

 

9. November, Berlin

VdPP-Herbstseminar

 

"Apotheke der Zukunft - wohin soll es gehen? Über neue Wege der Honorierung"

 

Anmeldung zum Seminar:

 

http://www.vdpp.de/termine/herbstseminar-2017/