Pharmazie und Politik – Wechselwirkungen

Programm des Vereins demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VDPP) vom 21. Juni 2009.

I. Pharmazie und Berufsalltag

2. Sozialpharmazie und Verbraucherschutz

Wir sind überzeugt, dass Pharmazie bislang zu einseitig durch naturwissenschaftliche Inhalte geprägt ist. Alle in der Pharmazie Tätigen sind mit Problemen und Herausforderungen konfrontiert, die nicht allein mit naturwissenschaftlichen Mitteln gelöst werden können. Die Ausbildungsinhalte müssen dahingehend erweitert werden.

 

Nach ihrem Selbstverständnis untersucht die Sozialpharmazie jene Beziehungen, die ÄrztInnen, ApothekerInnen und PatientInnen untereinander und zum Arzneimittel eingehen und ordnet sie in soziale und ökonomische Zusammenhänge ein. Die Sozialpharmazie

  • macht uns PharmazeutInnen die gesellschaftliche Einbindung der Arzneimittelversorgung und unseres Berufes besser verständlich
  • analysiert die Funktionsmechanismen und Regelungsinhalte des Arzneimittelmarktes, lässt den interessengebundenen Einfluss der AkteurInnen, insbesondere der Pharmahersteller, erkennen und zeigt die Notwendigkeit von evidenzbasiertem Arzneimitteleinsatz und unabhängiger Beratung z. B. in der Selbstmedikation auf
  • schafft die Voraussetzungen für eine patientenorientierte Berufstätigkeit
  • vermittelt wissenschaftliche Methoden der Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften, um diese in der Analyse der Einflussfaktoren auf den Arzneimittelmarkt nutzen zu können.

 

Wir setzen uns dafür ein, dass sozialpharmazeutische Aspekte in allen Berufsfeldern stärker berücksichtigt werden, wobei dies in den folgenden Bereichen für uns besonders wichtig ist:

 

  1. Sozialpharmazie und Gesundheitsförderung:

    Die Ottawa-Charta der WHO zur Gesundheitsförderung (1986) muss für alle PharmazeutInnen handlungsleitend sein. Das bedeutet:

    • Die im Gesundheitswesen Beschäftigten müssen sich bewusst sein, dass Frieden, angemessene Wohnbedingungen, Bildung, Ernährung, ein stabiles Öko-System, eine sorgfältige Verwendung vorhandener Naturressourcen, soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit die Grundvoraussetzungen für Gesundheit sind.
    • Neben der Behandlung von Krankheiten und der Prävention soll die Gesundheitsförderung in das Zentrum der pharmazeutischen Berufsausübung rücken und allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit ermöglichen. Dabei müssen soziale und kulturelle Unterschiede berücksichtigt werden.
    • Nicht jeder Mensch ist von sich aus in der Lage, die Grundvoraussetzungen für ein gesundes Leben zu erfüllen. Deshalb ist es notwendig, dass sich einzelne Menschen, Gruppen, Organisationen und Verbände sowie staatliche Einrichtungen für die Schwachen einsetzen und so aktives, anwaltschaftliches Eintreten praktizieren.
    • Nicht nur die Gesundheitspolitik, sondern auch alle anderen Politikbereiche, z. B. Verkehrs-, Bildungs-, Innen-, Außen-, Familien- und Wirtschaftspolitik, haben Rückwirkungen auf die Gesundheit. Dies ist uns bewusst, wenn wir uns beispielsweise in der Ökologie- oder Friedenspolitik engagieren. Wir setzen uns ebenso für sichere, befriedigende und angenehme Arbeits- und Lebensbedingungen ein.
    • Die Zukunft der Pharmazie sehen wir in einer verstärkten Vernetzung mit anderen Berufsfeldern des Gesundheits- und Sozialwesens, aber auch mit Selbsthilfe- und Patientenverbänden sowie mit Initiativen zur Gesundheitsförderung (z. B. durch integrierte Versorgung). Durch die Vernetzung können auftretende Probleme schneller erkannt und angegangen werden bzw. Chancen rechtzeitig ergriffen werden.
  2. Sozialpharmazie in pharmazeutischen Dienstleistungen:

    PharmazeutInnen sind fast ausschließlich in Gebieten tätig, in denen sozialpharmazeutische Grundlagen an Bedeutung gewinnen. An erster Stelle ist die Pharmazeutische Betreuung zu nennen. Dieses systematische Betreuungskonzept verlangt von den Berufsangehörigen mehr Kenntnisse und Fertigkeiten, z. B. aus den Sozialwissenschaften, der Psychologie und der Kommunikationswissenschaft.

  3. Sozialpharmazie und Verbraucherschutz:

    Die BürgerInnen müssen dort, wo sie sich selbst nicht schützen können, vor Gefahren geschützt werden. Das bedeutet, dass sie sich auf wirksame, unbedenkliche und qualitativ einwandfreie Arzneimittel, auf sichere Vertriebswege und qualitativ hochwertige medizinische und pharmazeutische Dienstleistungen verlassen können müssen. Dafür müssen die richtigen Anreize gesetzt werden sowie die notwendigen Überwachungsressourcen zur Verfügung stehen. Wir setzen uns in politischen Diskussionen für diese Ziele ein.

Zum Verbraucherschutz gehört auch das Bereitstellen von ausreichenden, hersteller- und vertreiberunabhängigen Arzneimittelinformationen. Die Informationen müssen leicht verfügbar und adressatengerecht aufbereitet sein. Wir treten dafür ein, dass Verbraucherschutzorganisationen in die Lage versetzt werden, hier mehr als bisher zu leisten und fordern von den Vertretungen der Apothekerschaft ein verstärktes Engagement.

 

Wir setzen uns dafür ein, dass all diese Aspekte in der Weiterentwicklung unseres Berufes stärker berücksichtigt werden.

http://www.vdpp.de

 

 

TERMINANKÜNDIGUNG

 

 

24.-25. Juni 2017, Wernigerode

VdPP-Mitgliederversammlung

"Apotheke der Zukunft"

World Café am Samstag, 24.06 von 14-17.30 Uhr

Anmeldung unter: http://www.vdpp.de/termine/mv-2017/

 

 

15. -17. September 2017, Berlin

MEZIS, 10 Jahre MEZIS, Internationales No Free Lunch Treffen

https://www.mezis.de/events/10-jahre-mezis-internationales-no-free-lunch-treffen/