Pharmazie und Politik – Wechselwirkungen

Programm des Vereins demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VDPP) vom 21. Juni 2009.

I. Pharmazie und Berufsalltag

 

7. Standespolitik

 

Die Apothekerkammern der Länder sind als Körperschaften des öffentlichen Rechts beauftragt, Aufgaben des Staates im Interesse der Allgemeinheit wahrzunehmen, für die sie eine besondere Sachkenntnis haben. Vor dem Hintergrund der EU-weit fortschreitenden Deregulierung und Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen stehen auch die Körperschaften der Heilberufe und die ihnen übertragenen staatlichen Aufgaben auf dem Prüfstand.

 

Solange aber die Apothekerkammern noch als Körperschaften Bestand haben, gilt für alle Berufsangehörigen die Zwangsmitgliedschaft, die der Staat mit der damit verbundenen Chance jedes einzelnen Mitgliedes begründet, im Rahmen der Selbstverwaltungsorgane der Kammern an deren Wirken teilzuhaben und Einfluss auf Entscheidungen nehmen zu können.

 

Unsere Erfahrungen in den Kammern lehren uns etwas anderes. Apothekerkammern betreiben in erster Linie eine privilegienwahrende statt eine an Verbraucher- und Patienteninteressen ausgerichtete Politik.

Um diesen Missstand zu beseitigen, fordern wir:

  • Die Stärkung der Bundesapothekerkammer (BAK) als Arbeitsgemeinschaft der Landeskammern. Sie braucht einen eigenen, allein aus Kammerbeiträgen finanzierten Haushalt.
  • Wie bei der Bundesärztekammer soll die BAK den Apothekertag einberufen, der auch die Eckdaten des Haushalts beschließt.
  • Als wichtige Aufgabe der Demokratisierung der Kammern sehen wir die Öffnung und institutionalisierte Einbeziehung von Patienten-, Selbsthilfe- und Verbraucherorganisationen, um unserem gesellschaftlichen Auftrag für diese Gruppen besser als bisher gerecht zu werden.

Darüber hinaus repräsentiert die Zusammensetzung der Kammerorgane nicht das breite berufliche Spektrum apothekerlicher Tätigkeitsfelder und die Mehrheit der in den Apotheken angestellten KollegInnen, sondern schafft sichere Mehrheiten für die Unternehmerseite. Die Einheit unseres Berufsstandes, die von den Kammervorständen öffentlich behauptet wird, gibt es nicht. Die jährlich einberufene Hauptversammlung aller ApothekerInnen als höchstes Entscheidungsorgan des Berufsstandes zeigt in ihrer Zusammensetzung nach Geschlecht, Status und berufspolitischer Funktion, für deren Offenlegung wir viele Jahre kämpfen mussten, ein schwerwiegendes Demokratiedefizit. Deshalb fordern wir, dass die Zusammensetzung der Kammerorgane auf Landes- und Bundesebene von dem Ziel bestimmt sein muss, Männer und Frauen, Selbständige und Angestellte sowie den außerhalb der Apotheken tätigen PharmazeutInnen die demokratische Teilhabe u. a. durch entsprechende Quotenregelungen zu ermöglichen.

http://www.vdpp.de

 

 

TERMINANKÜNDIGUNG

 

17. August, Hamburg

VdPP-Regionalgruppe um 19.30 Uhr in Hamburg

 

11. September, Berlin

VdPP-Regionalgruppe um 19.30 Uhr in Schöneberg

 

15. -17. September 2017, Berlin

MEZIS, 10 Jahre MEZIS, Internationales No Free Lunch Treffen

https://www.mezis.de/events/10-jahre-mezis-internationales-no-free-lunch-treffen/