VdPP zum Referentenentwurf für ein „Apotheken-Stärkungsgesetz“

 

vorgelegt von Gesundheitsminister Jens Spahn

 

Hamburg, 25. April 2019 - Der Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP) begrüßt die lebhafte Diskussion zum geplanten "Apotheken-Stärkungsgesetz". Er befürchtet aber, dass die entscheidenden Herausforderungen einer patientengerechteren Arzneimittelversorgung im Vorschlagsgestrüpp eines "Wünsch-Dir-was" untergehen. Für den VdPP sind drei Aspekte von essentieller Bedeutung:

 

1. Gleichpreisigkeit und Boniverzicht

Der VdPP fordert ein Verbot des Rx-Versandhandels ohne Hintertürchen. Jede Lockerung provoziert neue ökonomische und juristische Auseinandersetzungen, die zur weiteren Beeinträchtigung der Versorgungs- und Beratungsqualität der Präsenzapotheken führen. Boni, auch differenziert gestaltet, untergraben die Gleichpreisigkeit. Wenn jetzt Minister Spahn die Regelung des einheitlichen Arzneimittelabgabepreises aus dem Arzneimittelgesetz ins Sozialgesetzbuch V überführen will, erschwert das wahrscheinlich einen weiteren Zugriff durch den Europäischen Gerichtshof. Aber dann werden auch entsprechende gesetzlich abgesicherte Maßnahmen für Privatversicherte und SelbstzahlerInnen zwingend erforderlich. Stellen wir uns sonst schwerkranke Privatversicherte oder z.B. Frauen als Selbstzahlerinnen ihrer Antibabypille vor, die einem Preiskampf um die besten Boni-Angebote ausgesetzt sind!

2. Neue Pharmazeutische Dienstleistungen

Für den VdPP müssen sich neue pharmazeutische Dienstleistungsangebote unmittelbar und nachvollziehbar aus dem gesetzlichen Versorgungsauftrag der Apotheken herleiten lassen. Dabei sollte die fortlaufende Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) eine zentrale Rolle spielen. Die spezifisch pharmazeutischen Handlungsoptionen müssen mit ärztlichen und pflegerischen Kompetenzen zusammengeführt werden, damit ein gemeinsam entwickeltes und abgestimmtes Medikationsmanagement umgesetzt werden kann. Patientenorganisationen sind zu beteiligen. Für alle neuen Dienstleistungen aus der Apotheke muss ihr patientenorientierter Nutzen belegt sein; sie müssen im Einvernehmen mit den anderen VersorgungspartnerInnen implementiert und wissenschaftlich evaluiert werden. 

3. Präsenzapotheken sichern den niedrigschwelligen Zugang zu gesundheitlichen Dienstleistungen

Der VdPP ist überzeugt, dass die Apotheke der Zukunft nur als Netzwerkerin in regionalen gesundheitlichen Verbünden eine Perspektive haben kann. Denn nur kooperative multiprofessionelle Arbeitsstrukturen machen die erforderliche ganzheitliche Versorgungs- und Beratungsqualität möglich. Dabei muss die "Vor-Ort-Apotheke" mit ihrer Kompetenz als Lotsin und Zubringerin ins Gesundheitssystem aktiv werden und ihre niedrigschwellige Erreichbarkeit nutzen, die den Menschen vertraut ist. Pharmazeutische Kompetenz als integraler Bestandteil wohnortnaher gesundheitlicher Versorgungs- und Betreuungszentren kann helfen, Hürden und Brüche in der Versorgungskette zu überwinden.

VdPP - Vorstand

 

Ansprechperson/en:
Sabine Hensold, VdPP  Presse und Öffentlichkeitsarbeit, E-Mail: presse@vdpp.de, Tel.: 01631469696

Esther Luhmann, VdPP-Vorstandsreferentnin, E-Mail: referentin@vdpp.de

Über den VdPP

Im Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten, gegründet im Juni 1989, sind KollegInnen organisiert, die sich nicht mit der jetzigen Situation im Gesundheitswesen nicht abfinden möchten.

 

Vereinsziele

  • Patientenorientierte Arzneimittelberatung und -Versorgung
  • Evidenzbasierte Pharmazie
  • Demokratisierung des Gesundheitswesens und der Standesorganisationen
  • Zusammenarbeit aller Akteure im Gesundheitswesen
  • Stärkung des Verbraucherschutzes und der Patientenbeteiligung im Gesundheitswesen
  • Zugang aller Menschen weltweit zu einer ausreichenden Arzneimittelversorgung
  • Begrenzung der Marktmacht der pharmazeutischen Industrie

 

 

 

 

TERMINANKÜNDIGUNG

 

 

VdPP Regionalgruppe: 

21. Januar, Berlin

http://www.vdpp.de/kontakt/regionalgruppen/

 

Kongress Armut und Gesundheit: 

8.-10. März 2020, Berlin

Politik macht Gesundheit

Gender im Fokus

https://www.armut-und-gesundheit.de/

 

Memento Preis:  

11. März 2020, Berlin

Memento Preis für vernachlässigte Krankheiten 

"Politischer Wille"

https://memento-preis.de/

 

VdPP-Mitgliederversammlung: 

20. - 21. Juni, Bonn

 

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