45 Jahre Pharmazie in Deutschland Ost

Oktober 2009

von Ingeborg Simon

 

Im Jahr 2007 erschien ein lesenswertes Buch auf dem Markt. Es ist nicht nur gewichtig mit seinen 2,5 kg, es ist auch gewichtig, soweit es seinen Inhalt betrifft. Dieses Werk enthält Beiträge zur Geschichte des Arzneimittel- und Apothekenwesens der Deutschen Demokratischen Republik. Anhand dokumentierter Fakten, aber auch persönlicher Erinnerungen, werden auf knapp 650 Seiten alle relevanten Bereiche dieses Themas in dem Zeitraum von 1945 bis 1990 detailliert beschrieben.

 

Die Autoren dieser Veröffentlichung sind Pharmazeuten, die am Aufbau und der Entwicklung der DDR-Pharmazie einen großen Anteil haben. Sie haben hier die historischen Fakten in Verbindung mit persönlichen Erlebnissen im Arzneimittel- und Pharmaziewesen der DDR zu Papier gebracht mit der Zielstellung zu verhindern,, dass die Entwicklung des Arzneimittel- und Apothekenwesens in der Sowjetischen Besatzungszone und später der DDR in Vergessenheit gerät.

 

Während die Lektüre für Bürger der ehemaligen DDR der Erinnerung dienen kann, ist sie für die in der alten Bundesrepublik lebenden Kollegen vermutlich die erste Gelegenheit, überhaupt vom DDR-Pharmaziewesen etwas zu erfahren. Bis zum Ende der DDR haben die westdeutschen Standesorganisationen der Pharmazeuten offiziell nie darüber berichtet oder gar diskutiert. Die DDR war nicht nur in diesem Bereich ein absolutes Tabu. Ideologische Sichtweisen und ein bis heute wirkender Antikommunismus haben es nicht zugelassen, im Rahmen eines Systemvergleichs die Strukturen der anderen Seite ins Blickfeld zu rücken.

 

Nicht einmal in Zeiten der Wende ergab sich eine Chance, gemeinsam in den damals gebildeten Ost-West-Kommissionen und Delegationen zu prüfen, inwieweit sich voneinander lernen lässt , um zu abgestimmten neuen Entwicklungen zu gelangen. Die offizielle Standespolitik West hat im Einvernehmen mit der herrschenden Politik der Regierung der alten BRD den Repräsentanten und Verhandlungspartnern der DDR-Pharmazie das Westmodell verordnet und übergestülpt.

 

Damit wurde die Chance vertan, voneinander zu lernen und gemeinsam abzuwägen, inwieweit die Vorzüge des jeweiligen Systems hätten übernommen werden können in ein gemeinsames Arzneimittel- und Apothekenwesen. Insofern bleibt tatsächlich jetzt nur noch die Möglichkeit, mit Erinnerungshilfen, wie sie dieses Buch in vorbildlicher Weise bietet, Fakten und Entwicklungen als Vergangenes, Historisches kennen zu lernen.

 

Ich werde zukünftig in unseren Rundbriefen auf einzelne Bereiche näher eingehen in der Hoffnung, dass sich dennoch im konkreten Einzelfall z.B. im Bereich der Weiterbildung, der Arzneimittelprüfung oder der Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker Lehren ziehen lassen, Anregungen gegeben werden können für die zukünftige Gestaltung des gesamtdeutschen Pharmaziewesens.

 

45 Jahre Pharmazie in Deutschland Ost – Beiträge zur Geschichte des Arzneimittel- und Apothekenwesens der DDR; Hrsg. 7b DIREKT Apothekenservice AG; 649 S.; Fürstenfeldbruck 2007; ISBN 3-00-018713-8, 58,90 Euro



Abgedruckt in Rundbrief 75

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TERMINANKÜNDIGUNG

 

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9. November, Berlin

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"Apotheke der Zukunft - wohin soll es gehen? Über neue Wege der Honorierung"

 

Anmeldung zum Seminar:

 

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