Aufhebung von Fremd- und Mehrbesitzverbot für Apotheken – Brief an Bündnis 90/Die Grünen

Hamburg, den 2.11.06

An

Herrn Reinhard Bütikofer
Bündnis 90/Die Grünen
Bundesgeschäftsstelle
Postfach 040609
10063 Berlin

 

Cc: Birgitt Bender, MdB und Dr. Harald Terpe, MdB,
Platz der Republik 1,
11011 Berlin

 

Sehr geehrter Herr Bütikofer,

 

der Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VDPP) repräsentiert fortschrittliche und linke Apothekerinnen und Apotheker, die in vielen Tätigkeitsfeldern – Apotheke, Krankenkasse, Industrie, Verwaltung, Lehre; selbständig, angestellt oder verbeamtet – ihre Profession ausüben. Einige Vereinsmitglieder sind auch Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen.

 

Unser Verein ist irritiert über die Kampagne gegen das Fremd- und Mehrbesitzverbot von Apotheken, die bislang im Antrag an den Bundestag (Drs. 16/025) ihren Höhepunkt fand. Nach Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbotes sind danach aus grüner Sicht Einsparungspotenziale von bis zu 2 Milliarden Euro gegeben. Wir sehen dieses Einsparungspotenzial nicht und bitten Sie, uns Auskunft darüber zu geben, auf welcher Grundlage diese Berechnungen erfolgten.

 

Aus der Begründung des Antrages lässt sich die Erwartung der Grünen herauslesen, dass Aktiengesellschaften und in der Folge multinationale Konzerne für eine vergleichbare Arzneimittelsicherheit sorgen werden, wie die bisherige Apothekenstruktur. Aus unserer Sicht ist der bisherige Stand der Arzneimittelsicherheit nicht zufrieden stellend. Wir sind uns der noch vorhandenen qualitativen Mängel in der Beratung durchaus bewusst. Wir sehen hier Verbesserungsbedarf, der allerdings nicht durch das Wirken von Kapitalgesellschaften und multinationalen Konzernen zu decken ist. Es verwundert uns, dass ausgerechnet Bündnis 90/Die Grünen in diesem Weg eine Lösung sehen.

 

In der Debatte zum Antrag von Bündnis 90/Die Grünen vertrat Birgitt Bender ein für uns nicht akzeptables Arzneimittelverständnis: Danach wäre die Arzneimittelabgabe etwa so unproblematisch wie der Verkauf von Brötchen. Die Behauptung von Bender, dass „für die Qualität der Beratung (…) die Besitzverhältnisse keine Bedeutung (haben)”, ist aus der Sicht des Apothekenalltags naiv. Aus unserer Berufserfahrung heraus haben wir die Forderung nach einer von ökonomischen Zwängen befreiten Beratungstätigkeit erhoben. Ein erster Schritt in diese Richtung war die Einführung des Fixbetrages von 8,10 € für die Vergütung an die Apotheker.

 

Es geht eben nicht darum, dass ein angestellter Apotheker ebenso gut oder schlecht beraten kann wie ein Selbständiger. Es geht um die (ökonomische) Macht im Hintergrund.

 

Wir sehen in der Gleichstellung von nicht-verschreibungspflichtigen Arzneimitteln mit Brötchen und Wurst einen gefährlichen Irrweg für den Verbraucherschutz. Als Arzneimittelfachleute wissen wir, dass der jahrelange Gebrauch und Missbrauch von bestimmten freiverkäuflichen Arzneimitteln zu Gesundheitsschäden führen kann. Sollen diese Arzneimittel von nun an über Sonderangebote und aggressives Marketing verstärkt unter die Verbraucher gebracht werden?

 

Unser Verein würde gern diese grundsätzlichen Fragen zur Arzneimitteldistribution mit den gesundheitspolitischen Experten der Partei und Ihnen, Herr Bütikofer, diskutieren.

 

Für Rücksprachen stehe ich Ihnen als Mitglied des VDPP-Vorstandes unter folgender Adresse zur Verfügung:

Dr. Thomas Schulz, Berlin

 

Wir verbleiben in Erwartung eines Gesprächstermins

Mit freundlichen Grüßen,

 

Dr. Thomas Schulz
(VDPP-Vorstand)

 

 

http://www.vdpp.de

 

 

TERMINANKÜNDIGUNG

 

 

24.-25. Juni 2017, Wernigerode

VdPP-Mitgliederversammlung

"Apotheke der Zukunft"

World Café am Samstag, 24.06 von 14-17.30 Uhr

Anmeldung unter: http://www.vdpp.de/termine/mv-2017/

 

 

15. -17. September 2017, Berlin

MEZIS, 10 Jahre MEZIS, Internationales No Free Lunch Treffen

https://www.mezis.de/events/10-jahre-mezis-internationales-no-free-lunch-treffen/