Leitfaden der Apotheken im VDPP

von Bernd Rehberg


Prolog

 

Die im VDPP zusammengeschlossenen Leiter und Leiterinnen von Apotheken verpflichten sich zur Einhaltung folgender, festgelegter Grundsätze. Dies geschieht in der Erkenntnis der Notwendigkeit einer umfassenden und wirksamen Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, die sich nicht am Markt, sondern vorrangig am Patienten orientiert.

 

Die Apotheken leisten innerhalb unseres Gesundheitswesens einen wesentlichen Beitrag bei der Beratung und Therapie mit Arzneimitteln, und sie spielen durch ihre bürgernahe Position eine entscheidende Rolle in der Gesundheitsförderung, Vorsorge und Früherkennung von Krankheiten. Als erste AnsprechpartnerInnen bei Beschwerden und allen Gesundheitsfragen erfüllen wir damit eine wichtige wirtschaftliche und soziale Funktion innerhalb des Gesundheitswesens.

 

Mit diesem Leitfaden soll die Qualität unserer Arbeit transparent und das Ansehen unserer Apotheke nach innen und außen gestärkt werden.

 

Grundlage für die folgenden Grundsätze und Handlungsanweisungen als Qualitätsnorm für die alltägliche Berufsausübung, sind die Anforderungen der Berufsordnung, der Apothekenbetriebsordnung, der Arzneimittellieferverträge und der Tarifverträge.

 

Die Qualitätskriterien werden im regelmäßigen Austausch untereinander und mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entwickelt und fortgeschrieben. Die zeitlichen und finanziellen Ressourcen stellen wir diesem Zweck zur Verfügung.

 

Im Kontakt mit anderen Organisationen oder Angehörigen des Gesundheitswesens wollen wir unsere Qualitätskriterien regelmäßig überprüfen, um eine optimale interdisziplinäre Betreuung unserer Patienten und Patientinnen zu gewährleisten.

 

 

§ 1 Leitbild der Apotheke

 

Jede Apotheke muss sich ein individuelles Leitbild erarbeiten. Es müssen Ziele, Aufgaben und Zukunftsvorstellungen der Arbeit der Apotheken als Maxime des Handelns und Auftretens formuliert werden.

 

 

§ 2 Information und Beratung

 

Ziel der Beratung ist die Einrichtung einer pharmazeutischen Therapiebegleitung im Sinne von Pharmaceutical Care.

 

  1. Die PatientInnen und KundInnen haben bei jeder Abgabe von Arzneimitteln Anspruch auf inhaltlich richtige und vollständige Information und Beratung. Die Gesprächsinitiative sollte von der Apotheke ausgehen.
  2. Diese Beratung ist nicht umsatzorientiert und umfasst über die gesetzlichen Anforderungen hinaus Information über:
    • sinnvolle therapiebegleitende und prophylaktische Maßnahmen
    • nichtmedikamentöse Behandlungsalternativen
    • bestehende und geeignete Selbsthilfe- und Rehabilitationsorganisationen für Suchtkranke, chronisch Kranke und Behinderte
  3. Damit eine inhaltlich richtige und vollständige Information und Beratung der PatientInnen und KundInnen jederzeit gewährleistet ist, wird Fortbildung für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ermöglicht.
  4. Zur Unterstützung und Vertiefung der individuellen Information und Beratung in der Apotheke werden Bücher und andere Medienprodukte zum Verkauf angeboten oder kostenlos mitgegeben. Auf keinen Fall werden solche Informationen angeboten, die geeignet sind, einen Vielverbrauch oder irrationalen Mehrverbrauch von AM in irgendeiner Weise zu initiieren oder zu fördern.

 

§ 3 Auswahl von Arzneimitteln in der Selbstmedikation

 

Es wird eine Empfehlungsliste für die Selbstmedikation erstellt, in der solche Arzneimittel aufgenommen werden, die folgenden Kriterien genügen sollen:

 

  • nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sinnvolle Zusammensetzung
  • hohe pharmazeutische Qualität
  • keine irreführende Namensbezeichnung
  • keine irreführende Werbung oder Marketingstrategie
  • keine frauenfeindliche Werbung oder Marketingstrategie
  • angemessener Verkaufspreis

 

Es werden nur solche Arzneimittel empfohlen, die in der Empfehlungsliste enthalten sind. Außerdem können Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen empfohlen werden, wenn sie nach individueller Beurteilung einen Therapieerfolg erwarten lassen.

 

 

§ 4 Freiwahl und Nebensortiment

 

In der Freiwahl werden neben Arzneimitteln, Verbandstoffen, Hilfsmitteln und Krankenpflegeartikeln nur Mittel und Gegenstände angeboten, die zur Therapie oder Therapiebegleitung oder zur Gesundheitsvorsorge oder -pflege geeignet sind.

Die Artikel des Nebensortiments müssen folgende Qualitätsmerkmale aufweisen:

  • sinnvolle Zusammensetzung bzw. Konzeption nach anerkannten wissenschaftlichen Standards
  • hochwertige qualitative Beschaffenheit nach anerkannten pharmazeutischen, technischen und ökologischen Standards
  • keine irreführende Produktbezeichnung
  • keine irreführende Werbung oder Marketingstrategie
  • keine frauenfeindliche Werbung oder Marketingstrategie
  • angemessener Verkaufspreis.

diese gelten besonders für Nahrungsergänzungsmittel und Medizinprodukte.

 

 

§ 5 Werbung und Präsentation

 

Werbung für Arzneimittel, die einen Mehrverbrauch initiiert, vor allem in Rundfunk, Fernsehen, Internet, Zeitungen, Zeitschriften und Plakaten außerhalb der Apotheken, lehnen wir grundsätzlich ab, da dort keine fachlich fundierte Beratung eingebunden werden kann. Werbung im Sinne dieses § 5 ist Sichtwahl und Freiwahl in der Apotheke, in den Kundenzeitschriften und auf Handzetteln oder Apothekenflyern.

 

  1. Nur solche Arzneimittel werden beworben, die in der Empfehlungsliste aufgenommen sind. Ausgenommen davon sind AM mit hohem Gewöhnungs- und Missbrauchspotential, für die unter keinen Umständen und in keiner Weise Werbung betrieben werden darf, insbesondere
    • Kombinationsschmerzmittel
    • Schmerzmittel enthaltende und nicht als Schmerzmittel deklarierte oder vermarktete Zubereitungen
    • H1-Antihistaminika oder H1-Antihistaminika enthaltene Zubereitungen, wenn sie als Schlafmittel, Beruhigungsmittel oder Psychopharmaka im weiteren Sinne deklariert sind oder vermarktet werden
    • Abführmittel, Abführmittel enthaltene oder als Abführmittel deklarierte oder vermarktete Zubereitungen, ausgenommen solche, die außer Quellstoffen, Milchzucker und Lactulose keine weiteren Wirkstoffe enthalten.
  2. Die unter Abs. 1) festgelegten Regelungen gelten auch für jedwede weitere Aktivität oder Verhaltensweise, die geeignet ist, einen Mehrverbrauch und Vielgebrauch von solchen AM, für die nach 1) keine Werbung betrieben werden darf, zu fördern oder zu ermöglichen. Dazu gehört insbesondere die Präsentation solcher AM durch Sichtwahl, HV-Aufsteller oder Zahlteller. Ausgenommen ist die individuelle Empfehlung im Rahmen eines Beratungsgespräches.

 

§ 6 Rezeptur und Defektur; Labortätigkeit

 

Es wird dafür Sorge getragen, dass die Anfertigung von Rezepturen und Defekturen nach anerkannten und praktikablen Standards zur Qualitätssicherung (orientiert an den GMP- und GLP-Regeln) und anderen Normen (DIN, EN) ausgeführt werden. Dies gilt sowohl hinsichtlich der baulichen Beschaffenheit und Ausstattung der für diese Tätigkeiten vorgesehenen Räume, als auch für die Organisation der Anfertigung , sowie für die Dokumentation der einzelnen Arbeitsschritte.

 

 

§ 7 Interne Zusammenarbeit

 

1. Fortbildung

Apothekenleiter, pharmazeutische MitarbeiterInnen und PKAs sollen sich regelmäßig fortbilden. Fortbildung wird im Arbeitsvertrag mit Rechten und Pflichten festgelegt.

 

2. Ausbildung

Auszubildenden und PraktikantInnen werden alle Lehr- und Lernmittel in einer aktuellen Ausgabe zur Verfügung gestellt. Es werden Ausbildungsverantwortliche jeweils zugeordnet

 

3. Mitsprache- und Anhörungsrecht

Die MitarbeiterInnen haben ein Mitspracherecht bei Personalentscheidungen. Bei anderen betrieblichen Entscheidungen haben sie das Recht auf Anhörung. Zu diesen Zwecken können die MitarbeiterInnen aus ihren Reihen eine Obfrau / einen Obmann wählen, soweit dies nicht gesetzlich sowieso gefordert wird.

 

4. Verbot von Umsatzkontrollen und umsatzabhängigen Vergütungen

Kontrollen der individuellen Umsätze von Mitarbeitern finden nicht statt. Es werden keine Prämien oder andere Vergünstigungen für Zusatzverkäufe gewährt. Vergütungen für besondere Leistungen werden nicht umsatzabhängig (etwa durch Umsatzbeteiligung) gewährt

 

§ 8 Ökologische Aspekte - Umweltbilanz

Wir fühlen uns der Umwelt im besonderen verpflichtet. Über unser allgemeines umweltpolitisches Engagement hinaus ergreifen wir innerhalb unseres Betriebes folgende Maßnahmen:

  • Müllvermeidung, Mülltrennung
  • Stromsparende Maßnahmen
  • Abwasserminimierung
  • Umweltschonende Putzmittel
  • Auf umweltgerechte Verpackungen achten
  • Nur wiederverwendbare HV-Aufsteller und Zahlteller akzeptieren
  • Umweltschonende Labormethoden anwenden
  • Umweltverträgliche Büromaterialien benutzen
  • Umweltfreundliche Werbeartikel einsetzen

 

§ 9 Zusammenarbeit

 

Eine Zusammenarbeit im Rahmen dieses Leitbildes wird angestrebt mit:

  1. Ärztinnen und Ärzten
  2. Heil- und Pflegeberufen
  3. Selbsthilfegruppen
  4. Verbraucherverbänden
  5. Krankenkassen
  6. Herstellern und pharmazeutischen Großhandlungen

Ziel dieser Zusammenarbeit ist die optimale gesundheitliche Versorgung der Menschen im Einzugsbereich der Apotheke. In regelmäßigen Abständen sollte die Qualität der Zusammenarbeit überprüft werden.

 

 

http://www.vdpp.de

 

 

TERMINANKÜNDIGUNG

 

16. Oktober, Berlin

Regionalgruppentreffen

um 19.30h in Schöneberg

 

9. November, Berlin

VdPP-Herbstseminar

 

"Apotheke der Zukunft - wohin soll es gehen? Über neue Wege der Honorierung"

 

Anmeldung zum Seminar:

 

http://www.vdpp.de/termine/herbstseminar-2017/