Anträge zum Apothekertag 2006

Sommer 2006

von Katja Lorenz

 

Im Protokoll zur diesjährigen Mitgliederversammlung, abgedruckt in diesem Rundbrief, kann man nachlesen, dass wir dort Ideen für vier Anträge zum Apothekertag gesammelt hatten. Hier noch einmal in Kurzform:

 

  1. Ein nicht gestellter Antrag aus dem Jahre 2005,
    Selbstmedikation, Erfassung der UAW und Verkaufszahlen, damit kontinuierliche wissenschaftliche Befassung möglich wird,
  2. die Verblisterung soll verbrauchersicher gemacht werden,
  3. Verbindungen zwischen Apothekerkammern und Behörden,
  4. stärkere Bemühungen der BAK um Fort- und Weiterbildung auch für kleinere Gebiete

Kurz nach der MV sollte in Berlin die nächste Delegiertenversammlung der Apothekerkammer stattfinden, deren Mitglied ich bin. Ich wollte die Anträge, nach Abstimmung mit meiner Liste, der Fraktion Gesundheit, dort einbringen, um ihnen als Anträgen der Berliner AK mehr Gewicht geben zu können.

 

Leider war die Zeit zu kurz. Wir schafften nur die Überarbeitung des alten Antrags und die Formulierung der Anträge zur Verblisterung und zur Zusammenarbeit zwischen Kammer und Behörde.

 

Diese drei lagen dann den Delegierten zur Abstimmung vor.

In der Berliner Delegiertenversammlung gibt es vier Listen: die Liste der Aktiven Apotheker/innen, die Liste der Offizin-Apotheker (stellt den Präsidenten und dessen Vize), die AAA – Allianz aller Apotheker – und die Fraktion Gesundheit. Wir sind nur drei Leute und können nicht viel mehr, als Achtungszeichen setzen.

 

Vornehmlich die ersten beiden Listen spielen Bundestag, d. h., es geht mehr darum, von welcher Seite eine Idee, ein Vorschlag kommen, als um deren Inhalt. Somit war auch klar, dass Anträge von uns es schwer haben.

 

Der Antrag zur Selbstmedikation wurde in der Diskussion so verstümmelt, ohne Gewinn an Inhalt oder Verständlichkeit, dass wir ohne Änderung trotzdem die Urfassung zur Abstimmung stellten. Diese fiel durch. Aber uns wurde freundlich, nahezu väterlich, beschieden, dass das ein wichtiges Thema sei!

 

Der Antrag, der sich mit der gesetzlichen Gestaltung der Verblisterung beschäftigte, wurde nach kurzer Diskussion angenommen! (Zwei Apothekenleiter in meiner Nähe wisperten einander zu, dass sie diesen Bereich lieber in der Grauzone belassen würden, dann hätte man „mehr Freiheiten”, wenn „es” erst einmal gesetzlich geregelt sei, würde wieder „alles” schwieriger. Wobei „schwieriger” hier wohl heißen sollte, „kontrollierbarer”. (Richtig! Genau, das wollten wir.)

 

Mit dem Antrag zur Verpflichtung einer engeren Zusammenarbeit von Behörden und Kammern bin ich baden gegangen.


Wir wollten erreichen, dass Kenntnisse oder gar Ermittlungen bei Verstößen gegen geltendes Recht von beiden Stellen zusammengeführt werden. Einfach, um erfolgreicher sein zu können. Ich finde es unerträglich, wenn der Ausschuss zur Durchsetzung der Berufsordnung in seinem Jahresbericht stolz berichtet, dass er nicht einmal tagen musste, während andererseits wir in der Überwachungsbehörde vermehrt Nachbesichtigungen durchführen, Bußgelder verhängen und sogar Verfahren zum Widerruf der Betriebserlaubnis und Abgaben an die Staatsanwaltschaft machen müssen. Da klemmt doch etwas. Für mein Gefühl wird da die Wahrung des Datenschutzes nur vorgeschoben. (Diese ist selbstverständlich zu beachten, aber das wäre – so man wollte – machbar!)

 

Es ist auch ein Verschleiß an Arbeitskraft, wenn jede Stelle (auch Krankenkassen, Großhandel …) für sich ermittelt.

 

Die Diskussion um diesen Antrag war scheinheilig. Da dort jeder weiß, wo ich arbeite, ging es überhaupt nicht darum, gemeinsam die „schwarzen Schafe” zu finden, auch um die sauber arbeitenden KollegInnen zu unterstützen, was ja wiederum Aufgabe der Kammer sein sollte.

 

Nein, es wurde gleich persönlich: Wir hatten bisher immer den Eindruck, dass wir sehr gut zusammenarbeiten. Wir haben uns doch erst letztens im Amt getroffen. Fanden Sie das nicht gut so, warum haben Sie da nichts gesag?

 

Dagegen kam ich nicht an. Und ich werde auch nicht versuchen – wie auf der MV besprochen – diesen Antrag als Ad-hoc-Antrag auf dem Apothekertag unterzubringen. Dort ist einfach die falsche Stelle. Ich bin im Moment am Überlegen, wie ich mich dem Thema auf anderen Wegen nähern kann.

 

Für den Antrag zur Selbstmedikation (s. ganz oben), sehe ich auch noch keine Chancen zum Apothekertag. Wir hatten ihn bereits zwei Jahre versucht, ihn mit dem Forum Leipzig einzubringen und haben ihn dort schon nicht durchbekommen.

 

Würden wir ihn lediglich als Appell formulieren, ohne Forderung nach Datenerhebung und wissenschaftlicher Begleitung (kostet die Apothekerschaft Geld!), würden wir ihn wohl durchbringen. Ist ja so ein wichtiges Thema, s. o. … Aber dann bewirkt er auch nichts.

 

Es gibt auf dem Apothekertag sowieso schon zu viele Willensbekundungen, die nicht weh tun, d. h. die ohne Folge bleiben.

 

Im Anschluss nun die Anträge:

1. Antrag

 

Die Hauptversammlung der deutschen Apothekerinnen und Apotheker fordert die ABDA auf, jährlich, beginnend 2007, eine Übersicht über die in den Apotheken verkauften Fertigarzneimittel mit deren Umsätzen und Packungsmengen im Bereich Selbstmedikation zu erstellen, wenn erforderlich unter Hinzuziehung anderer Marktpartner, sofern sie über die dafür erforderlichen Daten verfügen. Die Analyse und wissenschaftliche Bewertung der Daten soll regelmäßig erfolgen unter den Aspekten Nutzen, Risiko und mögliche Risikominimierung. Nur so kann es gelingen, den apothekenspezifischen Bereich der Selbstmedikation im Sinne der Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung und des gesundheitlichen Verbraucherschutzes mit dem vorhandenen pharmazeutischen Sachverstand zu überwachen und zu steuern.

 

Begründung

Eine möglichst breite und aktuelle Diskussion über den Bereich der vom Patienten/Kunden selbst gekauften Arzneimittel ist

  • aus Gründen des Verbraucherschutzes,
  • aus Gründen der ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung und der Qualitätssicherung im Bereich nicht ärztlich verordneter Arzneimittel,
  • aus Gründen der Festigung des Apothekers als Heilberufler im Gesundheitswesen und der Festigung der "Präsenzapotheke" in der Arzneimittelversorgung, speziell in der Selbstmedikation

notwendig.


In allen Bereichen des Gesundheitswesens entwickelt sich eine permanente und ausreichende Qualitätssicherung zur Selbstverständlichkeit. Produkte und Leistungen, die aufgrund ihrer Besonderheit eng reglementiert und bestimmten Berufsgruppen vorbehalten sind, können ohne ausreichende Qualitätssicherung ihren besonderen Status verlieren. Dem wird die hier geforderte Datensammlung und Bewertung entgegen wirken.


Alle im Arzneimittelbereich Tätigen und an einer ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung interessierten Kreise (u. a. Apothekerinnen und Apotheker) sind auf eine ausreichende Informationsgrundlage angewiesen, um anhand dieser Daten ggf. steuernd eingreifen zu können.


Auf die Apothekerschaft ist im Bereich der Selbstmedikation eine hohe Verantwortung zugekommen. Sie kann den Erwartungen der Bevölkerung (und auch der Gesundheitspolitik) nur dann gerecht werden, wenn auch die Berufsorganisationen für eine ausreichende Transparenz und offene Diskussion über Nutzen und Risiken der Selbstmedikation sorgen und diese Bemühungen auch für die Öffentlichkeit dokumentiert werden können.


Aus Sicht der Verbraucher ist eine fundierte Information zu nicht-verschreibungspflichtigen Arzneimitteln notwendig, weil seit In-Kraft-Treten des GMG der Bereich der Selbstmedikation enorm an Bedeutung gewonnen hat und es für diesen Bereich keine institutionalisierte Risikoüberwachung gibt.


Die Werbung für Arzneimittel informiert nur einseitig, dem gegenüber stehen nur wenige kritische Informationsquellen zur Verfügung. Die Verbraucher müssen ihre Produktauswahl aber aufgrund von transparenten und objektiven Informationen bestimmen können, denn Arzneimittel sind eine besondere Ware.

2. Antrag

Die Hauptversammlung der Deutschen Apothekerinnen und Apotheker fordert die Bundesapothekerkammer auf, den bisher gesetzlich weitgehend ungeregelten Bereich der Verblisterung von Arzneimitteln kurzfristig durch die Entwicklung einer Leitlinie zu regeln.

 

Begründung

Bis auf die Änderung in § 21 Abs. 2 Nr. 1b des AMG (Ausnahmen von der Zulassungspflicht), findet die Verblisterung weitgehend im rechtlich nicht geregelten Raum statt. Trotz Ignorierung durch Standesführung und Gesetzgeber ist sie dagegen für viele Apotheken längst Alltag im Rahmen der Heimversorgung geworden.

 

Es ist höchste Zeit für die Apothekerschaft, sich dahingehend zu positionieren, ob diese Trennung der Pflegekräfte vom Arzneimittel so gewollt ist. Ist dies der Fall, muss die Verblisterung unverzüglich geregelt werden, um die qualitätsgerechte Herstellung und damit den Verbraucherschutz zu sichern.

 

Dazu sind insbesondere Regelungen zur rechtlichen Einstufung, Kennzeichnung des Blisters, zur Dokumentation und Information des Pflegepersonals zu treffen.

Neben der Stärkung des Verbraucherschutzes, würde somit endlich Rechtssicherheit für die herstellenden Apotheker und Apothekerinnen und die überwachende Behörde geschaffen.

 

Festlegungen durch BAK-Leitlinien sind kurzfristiger realisierbar, als Gesetzesänderungen. Sie gelten als Stand von Wissenschaft und Technik und sind somit über die Apothekenbetriebsordnung durchsetzbar.

3. Antrag

Die Hauptversammlung der Deutschen Apothekerinnen und Apotheker fordert die Bundesapothekerkammer auf, darauf hinzuwirken, dass der Gesetzgeber eine Rechtsänderung vornimmt, mit dem Ziel, die völlig unzureichende Zusammenarbeit der Landesapothekerkammern mit den jeweiligen Überwachungsbehörden der Länder bei der Verfolgung von Verstößen gegen geltendes Recht durch Verpflichtungen zur Zusammenarbeit verbindlich geregelt wird.

 

Begründung

Eine derartige Regelung hat folgende Vorteile:

  • Bündelung der Kräfte bei der Aufklärung,
  • Signal an Apothekerschaft: Dies sind keine Kavaliersdelikte,
  • Signal an Bevölkerung: Apothekerschaft wird „schwarze Schafe” nicht dulden.

In Zeiten, in denen die Apothekerschaft in der Öffentlichkeit überwiegend durch Testergebnisse unzureichender Beratung und Beteiligung am Krankenkassenbetrug wahrgenommen wird, ist eine solche Maßnahme der Selbstkontrolle überfällig.

Abgedruckt im Rundbrief 64

http://www.vdpp.de

 

 

TERMINANKÜNDIGUNG

 

16. Oktober, Berlin

Regionalgruppentreffen

um 19.30h in Schöneberg

 

9. November, Berlin

VdPP-Herbstseminar

 

"Apotheke der Zukunft - wohin soll es gehen? Über neue Wege der Honorierung"

 

Anmeldung zum Seminar:

 

http://www.vdpp.de/termine/herbstseminar-2017/